| title [year, status] |
"utopia travel" [2000–2002, concept] |
| keywords |
driving ethnological studies |
| materials [dimensions] |
schwarzer merceds, viele videos [kairo–beirut–istanbul–sofia–skopje–beograd–sarajewo–zagreb–ljubljana–wien] |
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homepage von "utopia travel"
emanuel danesch
david rych |
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| abstract |
UTOPIA TRAVEL *
describes the attempt of a transport of a selection of videotapes from Cairo to Vienna following the transition from the upper part of the African continent over the Middle East towards Europe.
An especially equipped taxi car serves as a mobile video unit on the distances between the capitol cities of the respective countries.
The videoarchive contains pre-selected video material made by artists/ film directors originating from and in most cases living in one of the countries on the route and was compiled through a network of consensual connections, direct interaction with artistic communities at these locations or in form of collaborations with institutions ( like universities, art centers, medialabs).
the tools of communication, the films, are connected by the requested topic of the notion of cultural, social and political reality found in the fragment of the particular society of their origin. nevertheless national and cultural limitations, given by geographical borderlines and the assumption of different habitats with certain historical influences, produce specific diversities in the visual chiffre of information an individual chooses to describe his/ her zone of life, work, influence = existence. On the other hand, this bundled information will be confronted directly with, as various as possible, types of societies - partly reflected in it self. During the travel the created space around the videotheque (the taxi and rooms of presentation) willingly offers the opportunity, to take part in a polylogue on particular and general issues, considering the complexity of singular societies as well as the construct of political territories.
in that sense *utopia travel understands itself as a temporary in itself non-institutional platform focusing on the matter of translation and transmissibility of identities and codes.
The entire project, including preparations and presentations, is considered to be an expanding process, under permanent development and transformation, as the most essential part of it depends on vague structures of regional political situations and the unreliable quality of travelling.
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interview
mit emanuel danesch und david rych führte gudrun an einem schönen sonntagmorgen ein gespräch über ihr projekt "utopia travel" und die große sehnsucht. in welcher verbindung das projekt zum thema des journal_01 steht, wie die zwei zur sehnsucht stehen und welche politischen konsequenzen sehnsucht haben kann, das könnt ihr bald an dieser stelle nachlesen. in der zwischenzeit vertrösten wir euch mit einem text von martin prinzhorn, der anlässlich der ausstellung des projektbüros von "utopia travel" im rahmen der reihe "das experiment" in der secession entstand:
text von martin prinzhorn
seit märz 2000 beschäftigen sich emanuel danesch und david rych mit videoarbeiten von kunstschaffenden aus den folgenden zehn städten: kairo/beirut/istanbul/sofia/skopje/belgrad /sarajewo/zagreb/ljubljana und wien. die ausgewählten filme reflektieren die kulturelle, geographische, politische und soziale situation der jeweiligen städte und ihrer bewohnerinnen. in einer mobilen videothek, die in einem 'taxi' installiert ist und mit der die beiden künstler die strecke im herbst 2001 von kairo nach wien mit stopps in den oben genannten städten befahren, werden die arbeiten präsentiert. zeitgleich kündigen plakate in der secession die jeweiligen stationen und vorführtermine an.
während ihrer ausstellung in der reihe "das experiment" vom 17. bis 27. mai transferieren emanuel danesch und david rych ihr projektbüro in das grafische kabinett der secession. von hier aus recherchieren sie nach weiterem videomaterial, organisieren die autofahrt von kairo nach wien, planen die präsentationen in den zehn städten und informieren die ausstellungsbesucher über die entwicklung von utopia travel.
"mit ihrem projekt folgen die beiden künstler emanuel danesch und david rych der künstlerischen praxis des laboratoriums, eines settings also, bei dem neben gewissen strukturvorgaben das hauptgewicht im prozess und den dabei entstehenden erkenntnissen oder materialien liegt. dabei wird das feld der kunst geöffnet, die künstler stellen gleichsam einen mix her, an dem vertreterinnen verschiedener kulturwissenschaftlicher disziplinen von anfang an beteiligt sind und kunst und wissenschaft miteinander verschmelzen sollen. entstehung und die reflexion darüber sind untrennbar verbunden. die grenzen zwischen schaffenden und konsumierenden, zwischen kunstwerk und dokumentation über dieses sollen dabei weitgehend aufgelöst werden. das thema ist sensibel und komplex und lässt sich kaum aus einer fixen geographischen perspektive heraus bearbeiten: kulturelle identitäten entlang einer süd-nord-linie, die von afrika über den 'balkan' nach wien führt. ausgangspunkt ist kairo und endpunkt ist wien, dazwischen eine reihe von orten, die jeweils durch einen respektvollen blick in den 'europäischen' norden und einen despektierlichen blick in den 'afrikanischen'/'balkanesischen' süden aneinander gekettet sind. seit gramsci ist viel über die projektionen von 'norden' und 'süden', von 'okzident' und 'orient' als kulturelle und sozio-politische identitätsstifter geschrieben worden, sind viele symptome dieser dichotomien in kunst und literatur analysiert worden. das projekt utopia travel geht aber über bloße analyse hinaus: dem 'anderen' als kulturellen und politischen identitätsstifter setzen die beiden künstler die utopie von homogener gesellschaft, globaler kultur und universaler sprache entgegen. nicht nur analysieren und reflektieren wollen sie, sondern mittels der mobilität ihres projekts neues entstehen lassen, dieses transportieren und so alte strukturen aufbrechen. der kern des projekts ist eine dynamische videothek, die einerseits mit vorgefundenem material aus allen orten arbeitet, andererseits den prozess des auswählens und anschauens mit inkorporiert und reflektiert. so ist die arbeit auch ein kommentar zur narrativität des künstlerischen videos und seiner verortung zwischen fiktion und dokumentation. dokumentation über kulturelle projektion, die aber auch selbst wieder projektion werden kann. ein anderer zentraler punkt ist die richtung des projektes: die in der kunst übliche perspektive geht immer vom westen nach außen, bzw. befasst sich mit der rolle des außen für die definition westlicher kunst. utopia travel startet in kairo, das entstehende wissen wird richtung europa transportiert, daher ist zu hoffen, dass hier etwas ankommt, das nicht von einem westlichen autonomiebegriff determiniert ist und so vielleicht einen alternativen ortsungebundenen polylog eröffnen könnte. nicht die reise in den orient einfach nachvollziehen, sondern das ziel zum ausgangspunkt zu machen. was wiederum nicht heißt, dass das hier angekommene die basis hiesiger kunst nicht neu definieren kann." [martin prinzhorn]