ulrike matzer über nature de-luxe
architektur, menschen, stadträume und ihre beziehungen zueinander stehen im mittelpunkt der fotografien von andrew phelps; sein blick gilt dem erfassen von außenräumen und deren nutzung zwischen transit und verweilen. während in früheren serien die position des individuums im öffentlichen bzw. urbanen raum untersucht wurde, verlagerte sich zuletzt der schwerpunkt weg von innenstadtarealen hin zum stadtrand, zu jenen grauzonen abseits der ballungszentren, wo natur und stadtraum einander definieren, begrenzen und sich miteinander vermischen.
in seinem aktuellen langzeitprojekt natur de-luxe nimmt er den campingkult als eigenwillige form des naturerlebens unter die lupe. das augenmerk ist vor allem auf dauercamper gerichtet, die ihre windschnittigen mobilen wohneinheiten zum festen feriendomizil adaptiert haben und so das paradoxon einer freizeitgesellschaft zwischen touristischem aufsuchen der natur und szenischem arrangement derselben, zwischen freiheitsdrang und absicherungsbedürfnis widerspiegeln.
die mit quasi wissenschaftlicher konsequenz erfassten bilder sind geprägt von der balance zwischen sachlichkeit und visueller attraktion; einer neutralität, die die soziologische vielschichtigkeit des [scheinbar] banalen zum teil mit leisem augenzwinkern wiedergibt, sich einer kritischen lesbarkeit gleichwohl nicht verschließt:
exakt markierte stellplätze, asfaltierte wege, zeltbungalows mit getrennten wohn- und schlafräumen sowie plattformartige substruktionen verweisen auf die zunehmende organisation der erfahrung der natur, auf ihre touristische vernutzung als ware. bei aller sehnsucht nach unbeschwertem, einfachen dasein inmitten der natur – ohne komfort, sicherheit und sauberkeit lässt es sich offensichtlich nicht behaglich leben. manchmal verschwindet der wohnwagen der campierenden siedler ganz hinter der architektur der spanischen wände, loggien, vestibüle, halbschattigen terrassen, hinter segeltuchbahnen und unter der rosenumrankten pergola. grotesker zierat und liebevoll gehegte schaugärten vermitteln als ausdruck symbolischer ortsbezogenheit eine gewisse spießer-idylle; unweigerlich bricht hier die ideologie vom eigenheim durch.
mit sensibilität für das abseitige, gleichwohl typische von campingplätzen setzt andrew phelps patchworkartig ein charakteristisches bild zusammen, wobei nicht nur individuelle eigenheiten, sondern auch nationale mentalitäten freigelegt werden: bislang topografisch auf österreich konzentriert, weitete er das projekt zuletzt auf den osteuropäischen raum aus [siehe die beiden fotos rechts unten], wo campingplätze [noch] ein stück eingezäunter wildnis sind und man weniger scheu vor direktem bodenkontakt zu haben scheint: man stellt sein zelt auf, wo man will oder döst direkt neben dem auto auf der campingmatte. verglichen mit dem oben skizzierten festkrallen am ort entbehrt diese relative ungebundenheit und spontaneität nicht eines gewissen charme.